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Geschichtliches zur Stadt Greußen

In vor- und frühgeschichtlicher Zeit war das Greußental von einem See bedeckt. Die Höhenzüge im Westen und Nordwesten, Hainleite, Dün, bestehen in der Hauptsache aus Kalkstein. Der durch Erosion gelöste Kalk wurde durch das Wasser ins Tal heruntergespült, setzte sich im See ab und füllte diesen allmählich zu. So entstanden Sedimentgesteine unserer Greußener Tuffsteine. Als sich dann später im flacher gewordenen See Wasserpflanzen aussamten, wurden diese von dem Kalk umkrustet und so bildeten sich die bekannten Greußener Grottensteine. Teilweise konnten sich die Ablagerungen nicht mehr verfestigen und sind als Sand – im Althochdeutschen Grus genannt – zu finden, woraus man den Namen Gruzen, ein Ort aus Sand, ableiten kann.


Zahlreiche Bodenfunde, wie Tongefäße und -scherben, Steinwerkzeuge, Knochendolche u. a. legen Zeugnis ab, dass das Gebiet um den See herum schon in frühgeschichtlicher Zeit stark besiedelt war. Hier ist besonders die Funkenburg bei Westgreußen zu erwähnen, eine bedeutende germanische Siedlung. Am Rande eines Steinbruchs nördlich von Greußen wurde eine der wertvollsten Bodenfunde Nordthüringens gemacht: 6 germanische Kultgefäße aus der Zeit um 200 n. Chr., eines davon in Gestalt eines Ebers, dem sog. Greußener Schweinchen. Das Original, 24,2 cm lang und 19 cm hoch, befindet sich im Institut für Ur- und Frühgeschichte. Es wurde 1858 in einem Tuffsteinbruch in Greußen, und zwar im Flattig hinter der Nordhäuser Straße, gefunden. Es stammt aus der Zeit um 200 bis 300 n. Chr. Es soll sich um einen Kult zur Verehrung des Gottes Donar handeln, vielleicht auch der Göttin Freya. Freya gilt als die Göttin der Fruzchtbarkeit und des Frühlings, des Glücks und der Liebe. Sie reitet auf einem Eber.

 

Das

Das "Greußener Schweinchen".

(Quelle: Der Kyffhäuserkreis 2014,
Herausgeber, Gestaltung und Fotos: Bildarchiv Röttig)


Zurzeit Christi Geburt war der See zugeschwemmt und wurde allmählich trocken. Der Sage nach sollen sich nach der Schlacht bei Burgscheidungen (531) fränkische Krieger als erste Siedler im Greußental niedergelassen haben. Weiter besagt sie, dass um 730 Bonifatius „bei den 3 Linden“ (zwischen Greußen und Clingen) eine Kapelle gegründet hat. Doch erst um 900 lässt sich anhand von Bodenstrukturen, mündl. Überlieferungen und sonstigen Anhaltspunkten eine erste Besiedlung in der Altstadt vermuten. Erste Urkunden sind vorhanden, die belegen, dass der Landgraf im Jahre 1250 eine Marktsiedlung errichtet hat, die im Unterschied zu den bereits bestehenden Orten Cling- und Westerngruzen Marktgruzen benannt wurde.

1319 erhielten die Hohensteiner Grafen Marktgruzen als Lehen
1353 wurde Greußen das Stadtrecht verliehen
1356 kommt Greußen unter die Herrschaft der Grafen von Schwarzburg

Mit der Stadtwerdung verbunden war eine gewisse Selbstverwaltung, das Privileg zum Errichten einer Stadtmauer, Abhalten von Märkten, eigene Münzen (Greußenpfennig) und die niedere Gerichtsbarkeit.

Ende des 13. Jahrhunderts wurde auf Betreiben des Deutschen Ritterordens mit Sitz auf der Kommende Griefstedt ein Wehr oberhalb von Westgreußen errichtet und ein künstlicher Seitenarm am nördlichen Hang des Greußentals angelegt. Etwa 100 Jahre später ließ der Landgraf auch am südlichen Hang einen Graben anlegen, vornehmlich zur Wasserversorgung von Burg und Stadt Weißensee. Mit Hilfe der Wasserkraft dieser beiden künstlichen Gräben, der schwarzburgischen und sächsischen Helbe, konnten auf einer Länge von etwa 20 km mehr als 20 Mühlen angetrieben werden. Dies waren die ersten Arbeitsstätten in unserer Region. Spätestens ab dieser Zeit war auch der Abbau von Tuffsteinen bekannt, ein wichtiger Erwerbszweig im Greußental. Nachweislich fanden die Steine Verwendung für Bauten sowohl in der Stadt, z. B. Stadtmauer, Rathaus, Kirche als auch im Umland, z. B. Runneburg Weißensee.

Die Anbindung an wichtige Handelsstraßen des Mittelalters gaben der Entwicklung von Handel und Handwerk in Greußen großen Auftrieb. Die 3 W‘s Wein, Wolle und Waid hatten in dieser Zeit große Bedeutung für die Stadt, besonders der Waidanbau und –handel standen in hoher Blüte.

Doch 1491, 1687 und 1834 beeinträchtigten 3 verheerende Brände die Entwicklung der Stadt. Nur durch viel Fleiß und Einsatz der Bürger und mit viel Unterstützung verschiedener Landesherren und Städte gelang unter größten Schwierigkeiten der Wiederaufbau. Leider gingen bei den Bränden fast die gesamte historische Bausubstanz sowie viele Urkunden und Archive verloren.

Die industrielle Entwicklung brachte auch für Greußen großen Aufschwung. Besonders nach dem Bau der „Staatschaussee“ von Sondershausen über Greußen nach Erfurt (1842) und der Bahnstrecke Nordhausen – Erfurt 1869 begann in unserer Stadt eine rege Bautätigkeit, erstmals auch außerhalb der Stadtmauer.